MEIN JAHRESBRIEF 2020

Wie unterrichtet man einen über­menschlichen Cyborg auf dem Mars?

Zahlreiche Eindrücke hinterließen ihre Spuren und haben mich neu ausgerichtet.
- 02. Januar 2020 - 
Lesezeit: 14 Minuten

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Liebe Freunde,

2019 war ein turbulentes Jahr für mich. Eine Achterbahn der Gefühle, aber ein Raketenstart für mein Denken. Ich möchte hier näher darauf eingehen, was mich überrascht, beeindruckt und bewegt hat.

Tl;dr

Dieses Jahr habe ich über 50 000 km zurückgelegt und dementsprechend viele Eindrücke gesammelt. Themen aus dem Alltag (Ernährung, Erfolg, Geld, Dankbarkeit, etc.), der Vergangenheit (Geschichte des Geldes, von Europa, …) und der Zukunft (Gentechnik, künstliche Intelligenz, Bildung) haben mich beschäftigt. Im nächsten Jahr liegt mein Fokus auf Nachhilfe, Coding Forest und dem Aufbau von Ressourcen.

Zahlen, Daten, Fakten

Nachdem mich einige von Euch immer wieder fragen, was ich eigentlich so die ganze Zeit mache hier kurz eine Auflistung meiner Highlights beziehungsweise der größeren Ereignisse dieses Jahres:

  • Dank meiner lieben Ex-Freundin durfte ich wieder nach Hause zu meinen Eltern ziehen.
    (An dieser Stelle kurz ein großes Dankeschön an meine Eltern. Es ist nicht selbstverständlich, einfach so wieder aufgenommen zu werden)
  • Gemeinsam mit Wim Hof und 500 anderen Menschen habe ich in München ein Eisbad genommen.
  • Zum ersten Mal bin ich komplett allein verreist: 4 Tage Budapest. Dort habe ich eine inspirierende Gruppe namens „Budapest Personal Development & Psychology Group“[1] getroffen. Bis lange nach Mitternacht sind wir gesessen und haben uns angeregt ausgetauscht.
  • Alexander Meile hat mich in die Welt des Theaters eingeführt.
  • Ich habe den Tesla Model 3 ausgiebig um die Kurven gejagt. Geiles Auto!
  • Faster. Harder. Scooter. Gemeinsam mit einem Team aus der Strada Del Startup haben wir eine Idee für den Scooter-Markt getestet. Das Projekt wurde aber kein Herzensprojekt von mir und ich habe mich daraus zurückgezogen.
  • Der Film „Anderswo. Allein in Afrika“ hat meine Vorfreude auf meine Reise verzehnfacht.
  • 10 Männer, 3 Tage, eine Hütte. Ein Männerwochenende mit dem Thema „Wie komme ich weiter im Leben?“
  • 5 Tage Electric Love Festival
  • 31 102 km, 12 neue Sprachen, 11 Länder, 9 Flüge, 3 Monate, ein Rucksack – meine erste Backpacking Tour durch Südeuropa und Südostasien. Fotos und Route findet ihr auf Polarsteps. [2] Auf einzelne Teile werde ich hier später noch näher eingehen.
  • Das Timing meiner Rückkehr war perfekt, um meine neue Wohnung zu übernehmen.
  • Seit ich wieder hier bin, habe ich meinen Platz als Nachhilfelehrer gefunden, entwickle ein Spiel beziehungsweise eine ganze Lernplattform zum Programmieren lernen und helfe gemeinsam mit Carlos europäischen Unternehmen den digitalen Auftritt zu meistern.

So, jetzt wisst ihr über die Fakten Bescheid. Viel spannender finde ich aber, was ich dieses Jahr alles gelernt habe und wie mich diese Ereignisse verändert haben.

Wie Ihr wisst, habe ich mich vor einem Jahr noch mit der Frage beschäftigt, wie ich das „Stauproblem“ in Linz lösen kann. Heute mache ich mir Gedanken, wie die Zukunft der Menschheit wohl aussehen wird, wie wir unser Klimaproblem lösen, wie die Perfektionierung vieler Technologien unser Leben verändern wird und wie wir uns und unsere Kinder auf so eine Welt vorbereiten.

Wie es zu dieser dramatischen Änderung meiner Denkweisen gekommen ist, möchte ich jetzt näher erklären:

Die größte Veränderung kam klar auf meiner Reise. Ich habe währenddessen acht Bücher gelesen, mit vielen verschiedenen Menschen gesprochen und die Welt rund um mich beobachtet – ich habe mich bemüht, die Welt durch die Augen anderer Menschen und Kulturen wahrzunehmen.

Bereits auf meiner zweiten Station in Nizza habe ich eine sehr interessante Persönlichkeit kennengelernt – Theodor, der Grieche aus Amerika. Neun Tage lang sind wir morgens gemeinsam aufgestanden, haben den ganzen Tag lang geredet und sind abends schlafen gegangen. Er ist 38 Jahre alt und ein vielgereister Mann. Er ist in Amerika geboren, hat aber einen Großteil seiner Kindheit auch in Griechenland und in Feriencamps in Italien verbracht. Er spricht fließend Englisch, Griechisch und Französisch. Sogar etwas Deutsch.

Er sieht die Welt ganz anders als ich es gesehen habe. Angefangen von Reisetipps über Finanzen, Geschichte, Politik und Kochen bis hin zu den großen Fragen des Lebens haben wir kein Thema ausgelassen. Dies hat dann meine Intention für die gesamte Reise festgelegt: Kulturen kennenlernen (Wie denken die Menschen? Was ist ihnen wichtig? Wie sehen sie die Welt?), über die Welt lernen (Wie funktioniert die lokale Politik? Wie ist die Wirtschaft?) und den eigenen Platz in der Welt austesten (Was mag ich? Was nicht? Wie möchte ich leben?).

Spanien und die südamerikanischen Gäste haben mir lockeren, offenen und wertschätzenden Umgang miteinander gezeigt. Madrid und Lissabon haben mich der Kunst nähergebracht.

In Lissabon habe ich auch gesehen, wie schnell sich das Leben einer ganzen Stadt verändern kann. Bei dem Erdbeben 1755 wurde fast die ganze Stadt zerstört.

Auch wenn wir im Durchschnitt eine sehr hohe Lebenserwartung haben sieht es im Einzelfall oft ganz anders aus.

Dies soll uns nicht deprimieren, aber etwas achtsamer mit unserer Zeit umgehen lassen.

Das reiche Europa

Der Kulturschock in Vietnam war am Anfang sehr groß. Auf einmal war ich in einer Stadt mit fast doppelt so vielen Einwohnern als mein ganzes Land!

Dieser Ameisenhaufeneffekt gefällt mir bis heute nicht. Zu viel, zu laut und zu unpersönlich. Zu wissen wie es sich anfühlt hilft aber dabei, das Verhalten der Menschen dort besser zu verstehen.

Weiters hat mich Vietnam unsere europäischen Privilegien sehr viel stärker wertschätzen lassen.

Gutes Wasser aus der Leitung; Essen gehen ohne krank zu werden; ärztliche Versorgung; ausgebaute Straßen und öffentliche Verkehrsmittel; Schulen, ohne Überwachungskameras, um die Schüler vor den Lehrern zu schützen; frei zugängliche Bildung; Kündigungsschutz; Arbeitslosengeld; funktionierendes Eigentumsrecht; etc.

Unsere Herausforderung besteht aber darin, uns nicht auf diesen Errungenschaften auszuruhen.

Die aktuellen Trends in unserer europäischen Erziehung, Politik und Wirtschaft sind nicht sehr wettbewerbsfähig. All die genannten Sozialleistungen funktionieren nur solange es eine starke Wirtschaft gibt, die genug Steuergelder erwirtschaftet.

Gemäß dem Audi Slogan „Vorsprung durch Technik“ haben wir eine gute Industrie aufgebaut. Diese steht jetzt aber immer mehr unter Druck von außen.

Tesla ist das Vorzeigeunternehmen für coole selbstfahrende Autos. Auch Asien baut immer bessere Autos und Busse.

Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, sagt ganz richtig, dass wir über unsere Klimaziele nicht nur ideologisch sprechen dürfen, sondern endlich auch Unternehmen ermöglichen müssen, damit Geld zu verdienen.

Ein neues Facebook werden wir in Europa nicht mehr aufbauen können, aber wir könnten unserer Vorreiterstellung bezüglich dem Klimaschutz als neue Chance nutzen. Man kann ruhig auch mal die positiven Seiten des Kapitalismus nutzen und mit den richtigen Förderungen wichtige Anreize setzen.

Außerdem müssen wir unseren Wohlstand mehr wertschätzen und verteidigen. Der Trend zur Privatisierung ist durchaus auch kritisch zu betrachten.

China kauft immer mehr Unternehmen in Europa auf. Bei der Privatisierung von Wasser wären sie bestimmt auch gerne bereit viel Geld zu bezahlen.

Hier müssen aber alle Alarmglocken läuten! In Südamerika zum Beispiel haben bereits viele Regionen ausgetrocknete Flüsse und damit viele Familien kein Trinkwasser mehr. Grund dafür sind die riesigen Avocado-Plantagen.

Weiters sehe ich eine Gefahr für den Wasserpreis, wenn es wie ein Rohstoff auf dem Aktienmarkt gehandelt werden kann. Mit steigenden Temperaturen wird Wasser zu einem immer wertvolleren Gut.

Wir alle brauchen es aber zum Überleben, darum ist es wichtig, dass die Versorgung in öffentlicher Hand bleibt.

Außerhalb von Europa habe ich auch viel mehr Militär und Patriotismus wahrgenommen. Ich fragte einen Norweger, den ich in Da Nang traf, ob er sich sorgen macht, dass wir bald angegriffen werden.

Er antwortete ganz ruhig und fragte mich, was der Grund dafür wäre. Krieg war meist durch das Verlangen nach mehr Macht angetrieben. Mit unseren heutigen Waffen wäre ein Krieg aber sehr zerstörerisch und würde an den Machtverhältnissen nicht viel ändern.

Heute läuft das meiste über wirtschaftliche Macht. Ein globales Unternehmen, wie Google oder Alibaba, hat viel mehr Einfluss, als die meisten Regierungen.

Wie bereits erwähnt investiert China massiv in Betriebe in Deutschland, aber auch in Afrika und anderen Ländern.

Ich möchte damit keine Feindbilder erschaffen. Ich möchte nur aufmerksam machen und zu mehr Nachdenken bewegen. Wir dürfen nicht den naiven Fehler machen und meinen, weil es uns in der Vergangenheit so gut ging, es auch in der Zukunft einfach so weiter geht.

Umgang mit Informationen

Das wertvollste Gut in unserer heutigen Zeit sind mit Abstand Informationen geworden. Je mehr ein Unternehmen über seine Kunden weiß, desto wertvoller ist es. Diese Daten richtig zu nutzen ist also eine wichtige Fähigkeit.

Jeder sollte wissen, wozu unsere Daten verwendet, wie wir beobachtet werden und was das für Auswirkungen auf unsere Leben hat. Solch eine Aufklärung erfolgt aber nicht durch störende Cookie-Banner oder hunderte Seiten lange Datenschutzerklärungen.

Kinder müssen über solche Themen bereits unterrichtet werden. Die Schule kann hier aber nicht alleine der Sündenbock sein. Schule ist keine Wunderwaffe. Die elterliche Erziehung hat hier genauso ihren Beitrag zu leisten. Damit dies aber funktionieren kann, müssen zuerst Politiker, Eltern und Lehrer aufgeklärt werden. Es müssen Aufklärungsangebote geschaffen werden, die für alle verständlich sind. Angebote, wo die Ausrede „von Technik verstehe ich nichts“ nicht gültig ist.

Ja, nicht jeder weiß, was Cookies sind. Da hilft die Erklärung „Ein Cookie […] ist eine Textinformation, die im Browser auf dem Computer des Betrachters jeweils zu einer besuchten Website […] gespeichert werden kann.“ von Wikipedia auch nicht. Braucht auch niemand verstehen, weil morgen die Technik vielleicht schon ganz anders heißt.

Was aber jeder verstehen kann ist, dass Online-Unternehmen durch das Konsumverhalten von Frauen oft schon vor der Frau wissen, wann diese Schwanger ist und dass diese Information dazu verwendet wird, um ihr überteuerte Babyprodukte anzudrehen.

Personalisierte Werbung ist per se auch nicht schlecht. Als Kunde bekomme ich meist das passende Produkt für meine Bedürfnisse und sehe als junger Mensch keine Werbung für Pensionistenreisen. Auch für Unternehmen bietet es große Vorteile, weil das Marketing-Budget zielgerichteter eingesetzt werden kann.

Ich finde aber, dass Menschen darüber Bescheid wissen müssen, um selbst zu entscheiden, ob es das Produkt ist, was sie brauchen, oder ob sie manipuliert werden. Auch sollte jeder die Möglichkeit haben, zu entscheiden, ob er Produkte benutzen will, die sein Verhalten analysieren und an das Unternehmen weiterleiten, oder ob er analyse-freie Alternativen verwenden möchte. Dieser Entscheidungsmöglichkeit liegt aber zugrunde, dass die Person weiß, dass solche Mechanismen im Gange sind und dass es Alternativen gibt.

Bürger müssen auch darin unterrichtet werden, ihre Bezugsquellen zu überprüfen. Es kursiert haufenweise Halbwissen, Panikmache und falsche Fakten in unserer Gesellschaft. Hier einen Satz gelesen, da eine Observation gemacht, den falschen Schluss gezogen und ohne Absicht einen Shit-Storm ausgelöst. So ging es 2016 einem Amerikaner. [3]

Nicht nur Wahlkämpfe sind oft voll mit falschen Fakten, sondern auch alltägliche Themen. Essen und Gesundheit sind ein prominentes Beispiel dafür. Fast-Food-Ketten, Fitnessstudios, Nahrungsergänzungsmittelhersteller, die Pharmaindustrie und viele weitere Menschen haben großes, finanzielles Interesse an diesen Themen.

Im letzten Jahrhundert hat die Tabakindustrie viel Geld in Werbung gesteckt, die der Masse vermittelt hat, das Rauchen gesund sei. Heute weiß jeder, wie schädlich es wirklich ist. Bei der Gesundheit setzt sich dieses Verhalten aber weiterhin fort.

Jeder sollte lernen, mehr darauf zu achten, wo Informationen herkommen und welche Intention oder Interessen die Quelle verfolgt. Selbst bei wissenschaftlichen Studien sollte man überprüfen, von wem diese Studie finanziert wird und was die Kernaussage ist. Oft werden einzelne Teile einer Studie aus dem Kontext genommen und falsch zitiert.

Echte von falschen Fakten zu unterscheiden ist genauso eine Fähigkeit, wie Gewichte heben. Wie einen Muskel kann man auch dies Trainieren. Das Internet hat jedem eine Stimme gegeben. Perfekt, wenn man sie weise und verantwortungsbewusst einsetzt. Jedoch eine Gefahr für jeden, der ohne Nachzudenken zuhört.

Perspektive

Der eigene Standpunkt ist uns bekanntlich am nächsten. Es ist oft schwer sich in die Lage anderer zu versetzen. Das ganze Leben verbringt man mit sich selbst und den eigenen Glaubenssätzen. Das eigene Umfeld ist meist so ausgewählt, dass es ähnlich denkt und spricht. Die Algorithmen im Internet lernen auch alle brav unsere Vorlieben kennen und präsentieren uns dann genau das, was wir gerne sehen und hören möchten. Es erfordert viel Willenskraft und Energie, um seine eigene Meinung zu hinterfragen.

Da Nang ist eine wunderbare Stadt mit tollen Einwohnern. Der Wohlstand wird auch immer größer. Dies stellt die Menschen aber vor eine Herausforderung. Sie steigen von den typischen Motorrädern auf protzige Autos um. Dieser Trend ist gerade erst am Anfang. Ich habe im Englisch-Café vorgeschlagen, aus den Fehlern aller anderer Städte zu lernen und jetzt die Chance zu nutzen, um ein funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz zu bauen. Oh Mann, bin ich auf Widerstand gestoßen. Aus meiner Perspektive war es ganz klar eine globale Vorreiterrolle einzunehmen, Staus zu vermeiden und die Umwelt zu schonen. Ich bin mit stinkenden Autos und nervigen Staus aufgewachsen. Ich habe die europäische Klimaschutzperspektive. Die Einheimischen hingegen haben mir gesagt, dass die Öffis für die unterste Bevölkerungsschicht sind. Sie können sich endlich das Auto leisten, da wollen sie nicht mit dem Bus fahren. Ihr Auto ist ein Statussymbol und es lässt sie erhaben fühlen, wenn sie damit durch die Stadt fahren. War bei uns vor 50 Jahren ja auch nicht anders. Meine Argumente man könne doch moderne Verkehrslösungen (Magnetschwebebahnen, U-Bahnen, elektrische Busse, etc.) schaffen haben nichts geändert. „Die Politik muss das machen und die macht sowas nicht“ kam noch als Antwort.

Bei den großen, globalen (aber auch bei den kleinen) Problemen, die wir in unserer Lebenszeit bewältigen müssen, dürfen wir nicht auf die Perspektiven und Bedürfnisse anderer vergessen.

Weihnachten in kurzer Hose

Am 24. Dezember 2019 bin ich in kurzer Hose und T-Shirt am Balkon gesessen und habe bei strahlendem Sonnenschein mein Mittagessen genossen. Klingt idyllisch, aber ich finde es bedenklich. Vor genau 20 Jahren hatten wir zur selben Uhrzeit -4°C und sogar weiße Weihnachten. [4][5]

Dieses Jahr hat sich bereits viel um das Thema Klimawandel getan. Zumindest in den Medien. Es kommt mehr und mehr in die Köpfe der Menschen. An einer wirkungsvollen Umsetzung fehlt es bislang immer noch. Auch bei diesem Thema gibt es noch viele Fehlinformationen. Bill Gates, der Gründer von Microsoft, unterstützt mit seiner Bill & Melinda Gates Foundation nicht nur medizinische und sanitäre Projekte in Afrika, sondern investiert auch stark in die Forschung und Entwicklung der Erzeugung von erneuerbaren Energien. Er definiert die fünf großen Bereiche mit Landwirtschaft, Stromerzeugung, Industrie, Transport und Haushalt (Klimaanlagen, Heizung, Kochen), weil dies die größten Erzeuger von Treibhausgasen sind. [6][7]

A screenshot of a cell phone

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Auch er ist der Meinung, dass Menschen nicht einfach aufhören werden Dünger zu verwenden, Gebäude zu bauen oder zu fliegen. Getreu seinem Innovationsimage sieht er die Lösung in neuen Technologien. Was mich zum Beispiel fasziniert hat waren die Fortschritte der Atomenergie. In der Vergangenheit wurden falsche Entscheidungen getroffen und in den meisten Köpfen ist es jetzt ein Thema der Angst. Mittlerweile hat man die Fehler aber erkannt und kann bessere Reaktoren entwerfen. Wir haben heutzutage die nötige Rechenleistung, um diese Entwürfe zu simulieren und in den schlimmsten Bedingungen zu testen. Es weist auch keiner darauf hin, dass die meisten Atomkraftwerke auf Konzepten der 1940er Jahre basieren, wo die Entwicklung dieser Technologie noch in den Kinderschuhen steckte. Heutige Pläne nutzen physikalische Gesetze, um eine Kernschmelze unmöglich zu machen. Es kann sogar der Müll der alten Kraftwerke verwertet werden. [8]

Gates sagt weiter, dass dies alles erfreuliche Entwicklungen sind, wir aber einen weit besseren Job machen müssen, um die Menschen richtig zu informieren welcher Challenge wir eigentlich bevorstehen. Solarzellen sind gut, aber wir müssen auch noch viel mehr von LKWs, Zement und Kuhfurzen hören.

Die EU bietet auch Grund zur Hoffnung. Im Budget für 2020 wurden 21% (stolze 35,4 Milliarden Euro) für Projekte, die den Klimawandel betreffen, vorgesehen. [9]

Die Spezies die zu Gott wurde

Yuval Noah Harari beschreibt in seinen Büchern die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft unserer Spezies. Lesenswerte Lektüre. Er ist ein Vorzeigeautor, wenn es darum geht, verschiedene Perspektiven miteinzubeziehen. Er argumentiert sachlich und faktenbasiert; stellt klar, was wir wissen und was wir nur durch Schätzungen vermuten.

In seinem Zukunftsausblick bezeichnet er die nächste Entwicklungsstufe des Menschen als Homo Deus (lat. homo = Mensch, deus = Gott). Den Schritt zu dieser Stufe gehen wir durch technischen Fortschritt.

Entweder wir verbessern durch Gentechnik und Medizin organisches Leben soweit, dass wir übermenschlich werden (Unsterblichkeit, erhöhte Muskelkraft, erhöhter IQ, etc.), kombinieren organisches mit anorganischem Leben (Cyborgs, siehe Bionik) oder erschaffen komplett anorganisches Leben (Intelligenz in elektronischen Systemen, „künstliche Intelligenz“).

Er weist dabei auf die Gefahren hin. Was passiert, wenn es eine Teilung der Menschheit in „normale“ und Übermenschen gibt? Er weist aber nicht nur auf die sozialen Herausforderungen hin, sondern fragt auch, wie es um andere Spezies steht. Wir sind bereits jetzt ganz oben in der Nahrungskette und haben schon viele Tier- und Pflanzenarten ausgerottet beziehungsweise an unsere Bedürfnisse angepasst.

Wir haben aber immer noch keinen Konsens über den Sinn unserer Existenz. Seine Schlussworte in Sapiens: „Gibt es etwas gefährlicheres, als unzufriedene und unverantwortliche Götter, die nicht wissen, was sie wollen?“

Unser Leben ist bereits heute bestimmt von Algorithmen. In Zukunft wird das bestimmt nicht weniger. Welche Fähigkeiten bedarf es in so einer Welt?

Gerald Hörhan greift diese Frage immer wieder auf und kommt zu dem Schluss, dass die Digitalisierung den Leuten immer mehr das Denken abgewöhnt. Sie können nicht mehr Kopfrechnen und folgen blind dem Navi gegen die Einbahn.

Er sagt, wie auch Muskeln, die wir nicht benutzen, wird auch das Gehirn sich zurückbilden, wenn wir es vernachlässigen. Ich stimme ihm zu, dass unser Bildungssystem sich verändern muss. Fleißige und gute Lehrer müssen hochangesehen und gut bezahlt werden. Es muss gelehrt werden zu denken, nicht auswendig zu lernen. [10]

Meiner Meinung nach können wir die Macht der Algorithmen zu unserem Vorteil nutzen und sie zum besseren Lernen einsetzen. Meine Vision dazu werde ich mit Coding Forest testen und entwickeln.

Money, Money, Money.

Geld regiert die Welt. Der Handel hat vieles möglich gemacht. Den Umgang damit lernt man aber leider nicht in der Schule. Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema. Das Buch „Der reichste Mann von Babylon“ bietet einen guten Einstieg und erklärt die Grundlagen mit anschaulichen Beispielen. Die Banken waren sehr fleißig und haben verschachtelte Finanzinstrumente geschaffen, die kaum noch ein Mensch versteht. Die meisten dieser Systeme sind absichtlich komplex gehalten, damit Dinge verschleiert werden können, oder ganz einfach den Menschen das Geld aus der Tasche gezogen werden kann.

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr schätze ich die Grundlagen wert. Eine Kernregel von Warren Buffet, dem erfolgreichsten Investor der Welt, ist niemals in etwas zu investieren, dass man nicht vollkommen versteht. Sieht man sich seine Geschichte an versteht man, dass diese Regel Sinn macht. Er hat viele Gewinne liegen lassen, weil er nicht in Google oder Amazon investiert hat, aber er hat auch viel Risiko gespart, weil diese Technologieinvestments hochriskant sind.

Ich mag die Devise nur in Dinge zu investieren die man vor sich hat. Klar kann man in Startups in einem fernen Land investieren, wo die Ausblicke rosig sind, aber wie viel Einfluss auf den Erfolg hat man wirklich? Kann man die Zahlen und den Fortschritt kontrollieren? Kennt man die lokalen Gepflogenheiten und alle Risiken?

In Vietnam wurde mir nahe gelegt eine Outsourcing-Firma zu eröffnen. Klang auch verlockend. Ein Programmierer verdient in Vietnam etwa 5€ pro Stunde. In Europa etwa das zwanzigfache.

Bei näherer Betrachtung haben aber die Nachteile klar überwogen. Die Entwickler sitzen am anderen Ende der Welt, sprechen nur gebrochenes Englisch, haben andere Qualitätsvorstellungen, die Regierung ist kommunistisch und macht es ausländischen Unternehmern nicht leicht, die Energieversorgung ist unzuverlässig, es gibt keine staatliche Krankenversicherung, ohne Korruption geht nichts. Diese und viele weitere Gründe haben mich davon abgehalten.

Ein Leben allein

Ich habe festgestellt, dass alleine zu reisen viele Vorteile bietet. Ich war meistens in Hostels und in Großstädten unterwegs, also eigentlich immer umgeben von Menschen.

Da ich immer nur ein paar Tage an einem Ort geblieben bin, wollte ich meine Zeit natürlich bestmöglich nutzen. Dieser knappe Zeitraum hat mich dazu gezwungen, viel schneller zu entscheiden, ob ich mich mit gewissen Personen unterhalten möchte oder nicht.

Der erste Eindruck ist manchmal trügerisch, reicht aber meist aus, um zu wissen, ob das Gegenüber interessant ist. Im ersten Monat habe ich eigentlich immer dieselbe Art von Leuten im Hostel getroffen. Der Großteil waren Urlauber, die zum Feiern und Saufen gekommen sind. Nachdem ich zum zehnten Mal das gleiche Gespräch geführt habe – nämlich wo kommst du her, wo geht es hin und wo saufen wir heute – habe ich beschlossen meinen Mund zu halten.

Ein paar interessante Gesprächspartner habe ich schon gefunden, aber die meiste Zeit haben mich meine Bücher, Ausstellungen, Städtetouren, oder Einheimische besser unterhalten.

Ich halte mich selbst für einen geselligen Menschen und wollte deshalb auch so viele Menschen wie möglich kennenlernen. Ich stellte für mich aber fest, dass es besser ist alleine zu sein, als seine Zeit mit den falschen Menschen zu verbringen.

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts

So singt es der salzburger Rapper Dame in seinem Lied Low Life. Der Gesunde hat tausend Wünsche, der Kranke nur einen. Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird später viel Zeit für seine Krankheiten brauchen.

Klar möchte man helfen. Mehr tun. Mehr bewegen. Man darf sich dabei aber nicht selbst vergessen. Der Körper kann lange kompensieren, aber dann geht es schnell und das Kartenhaus bricht zusammen. Um langfristig für andere da sein zu können muss man zuerst auf sich selbst achten. Was will man schon geben, wenn man nichts hat?

Gesunder Egoismus gehört zu einem gesunden Leben. Sich selbst zu priorisieren hilft auch anderen.

Gary Vaynerchuk sagt immer die zwanziger sind die Jahre in denen man Sch***e essen soll. Theodor sagt aber warum diese Zeit nicht nutzen und lernen, wie man geiles Essen kocht? Ich sehe, warum Gary das sagt, aber ich stimme Theodor zu. Wenn man auszieht und lernt auf eigenen Beinen zu stehen, sollte man sich auch mit der richtigen Ernährung auseinandersetzen. Das richtige Essen kann viele Krankheiten vorbeugen und somit viel Geld sparen. Die ersten versalzenen Gerichte zu essen sind eine wichtige Erfahrung meiner Meinung nach. Man lernt sich auf den Geschmack zu konzentrieren. Es pusht das eigene Selbstwertgefühl, wenn man eine neue Fähigkeit erlernt. Die großen Müllberge lassen einen über unsere Gesellschaft nachdenken. Essen ist auch ein super Weg unterschiedliche Kulturen kennenzulernen. Ich habe mich in die Gerichte in Griechenland und der Türkei verliebt.

Fokus

Um herauszufinden, was man mag, wofür man steht und was einem wichtig ist, ist ausprobieren das aller beste. Einfach mal quer durch die Bank alles machen, was einen auch nur irgendwie interessiert. Um dann in diesem Feld aber auch voran zu kommen muss man lernen Nein zu sagen. Als ich von meiner Reise zurück kam warteten 1000 mögliche Wege auf mich. Jeder wollte ein Stück meiner Zeit. Schnell habe ich gemerkt, dass ich nicht alles machen kann. Ich musste zu vielem Nein sagen. Anders betrachtet ist aber auch jedes Ja automatisch ein Nein zu allem anderen. Mein Fokus liegt 2020 auf Nachhilfe, Coding Forest und dem Aufbau von Ressourcen. Ich will noch besser im Erklären werden und lernen, worauf es beim Unterrichten wirklich ankommt. Mit Coding Forest will ich eine moderne Möglichkeit zum Programmieren lernen schaffen. Es muss begreifbar, ansprechend und einfach sein. Ressourcenaufbau ist durchaus materialistisch gemeint, aber auch Wissen, meine bestehenden Mittel besser zu nutzen.

Weitere Fragen und Denkanstöße

Das aktuelle Jahrhundert ist vermutlich eine der spannendsten Zeiten, um zu leben. Wird uns der Klimawandel auslöschen, oder sind wir bereits göttlich genug, um den Schaden umzukehren? Wenn wir eine technische Lösung gefunden haben, ist unsere Politik und unser Zusammenhalt stark genug, um es umzusetzen? Wie gehen wir in Zukunft mit den digitalen Supermächten um? Erlauben wir weiterhin die Monopolisierung ganzer Wirtschaftssektoren? Wie sieht unser Leben aus, wenn wir den Mars besiedelt haben? Wird uns das gelingen? Werden wir durch Genmanipulation bald unsere körperlichen Fähigkeiten verbessern können? Wie wird es sich wohl anfühlen, wenn wir Gehirne direkt miteinander verbinden und wir die Gedanken des anderen direkt "fühlen"? Wird das Machtpendel bald wieder nach Osten schwingen? Wird unser Lebenselexier Wasser zu einem Luxusgut? Wie bereiten wir uns auf so eine ungewisse Zukunft vor? Was lehren wir der nächsten Generation? Wie vermitteln wir diese Werte?

Fazit

Die Zukunft ist ungewisser denn je zuvor. Es gibt haufenweise offene Fragen. Viele dieser Themen interessieren mich. Ich möchte mich aber dennoch auf einen Teil davon beschränken und meine Stärken darin einsetzen. Kreative Lösungen zu schwierigen Problemen zu finden erfüllt mich.

Wie unterrichtet man nun einen übermenschlichen Cyborg auf dem Mars? Ich weiß es noch nicht. Es wird aber spannend herauszufinden.

Verglichen zu meinen Gedanken vor einem Jahr hat sich einiges Verändert. Es soll aber erst der Anfang sein. Viele Themen sind neu für mich und ich habe noch eine oberflächliche Perspektive.

Ich hoffe euch auch etwas zum Nachdenken angeregt zu haben. Schreibt mir gerne eure Meinung oder eure aktuellen Fragestellungen an daniel@morawetz.dev.


Dieser Brief fasst meine aktuellen Ansichten zusammen. Gerne diskutiere ich mit euch jeden dieser Punkte. Ich freue mich auch über Vorschläge von anderen Themen, die ich noch komplett außer Acht gelassen habe.

Leseempfehlungen

  1. https://www.gatesnotes.com/2019-Annual-Letter
  2. https://ourworldindata.org/co2-and-other-greenhouse-gas-emissions
  3. https://www.ipcc.ch/report/ar5/wg3/
  4. https://www.discovermagazine.com/environment/nuclear-technology-abandoned-decades-ago-might-give-us-safer-smaller-reactors

Referenzen

[1] https://www.facebook.com/groups/303432277014860/

[2] https://www.polarsteps.com/DanielMorawetz/2013838-backpacking-1

[3] https://www.nytimes.com/2016/11/20/business/media/how-fake-news-spreads.html

[4] https://www.wunderground.com/history/daily/at/h%C3%B6rsching/LOWL/date/1999-12-24

[5] https://www.derstandard.at/story/2000049442205/wie-oft-es-seit-den-60ern-weisse-weihnachten-gegeben-hat

[6] https://www.gatesnotes.com/2019-Annual-Letter

[7] https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2018/02/02_figure_SPM_2.png

[8] https://www.discovermagazine.com/environment/nuclear-technology-abandoned-decades-ago-might-give-us-safer-smaller-reactors

[9] https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/IP_19_6280

[10] https://www.youtube.com/watch?v=qC0PUGEW2r4

Über Daniel Morawetz

Ich heiße Daniel, bin 23 Jahre alt und habe mit Auszeichnung an der HTL Paul-Hahn Informatik maturiert.

Während meiner Schulzeit habe ich bereits meinen Mitschülern Nachhilfe gegeben. Nebenbei und im Sommer habe ich immer gearbeitet und Erfahrung aufgebaut. Das Projekt, auf das ich am meisten stolz bin, war bei Catalysts die „Catrin“ – eine digitale Empfangsdame für den Coworking Space in der factory300. Per Gesichtserkennung unterscheidet sie die Mitglieder und kann hilfreich zur Seite stehen.

Anschließend habe ich meinen Zivildienst beim Samariterbund geleistet, mich in der Startup-Szene in Österreich verwurzelt und als Freelancer gearbeitet. Außerdem habe ich mein Informatik-Studium an der JKU begonnen. Mein letztes Unterfangen war nun eine dreimonatige Backpacking-Tour durch Südeuropa und Südostasien.

Hast Du noch Fragen? Sende mir Deine Nachricht an daniel@morawetz.dev.

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